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Supportive Therapie - Osteoprotektive Therapie

Osteoprotektive Therapie

Vorbemerkung

 

Bei neoplastischen Erkrankungen können die Regulationsmechanismen des Knochenumbaus stark gestört sein. Für den Knochenabbau verantwortlich sind Osteoklasten-stimulierende Mediatoren, die von Tumorzellen sezerniert werden können. Das daraus resultierende Überwiegen des Knochenabbaus kann zur generalisierten Abnahme der Knochendichte (Beispiele: lymphoplasmozytoides Immunozytom, multiples Myelom) oder zu Osteolysen und Hyperkalzämien führen.

 

Durch die Aufklärung der RANK/RANK-Ligand/OPG-Signalwege wurde ein entscheidender pathophysiologischer Mechanismus des Knochenstoffwechsels entschlüsselt. Als Signalüberträger von Osteoblasten zu Osteoklasten fungiert RANKL (Receptor Activator of Nuclear Factor κB Ligand), ein TNF-verwandtes Zytokin auf der Oberfläche von Osteoblasten. Es wird durch Proteolyse freigesetzt und bindet an RANK (Receptor Activator of Nuclear Factor κB), auf der Oberfläche von Präosteoklasten lokalisierte Rezeptoren. Hierdurch werden die Vorläuferzellen in aktive knochenresorbierende Osteoklasten umgewandelt. Die Balance zwischen Knochenauf- und -abbau wird durch das Protein Osteoprotegerin (OPG) aufrechterhalten, das die Osteoblasten sezernieren. OPG bindet und inaktiviert RANKL. Die Konzentrationen beider Substanzen bestimmen physiologisch Ausmaß und Dauer der Knochenresorption. Der gegen RANKL gerichtete humane Antikörper Denusomab verhindert ebenfalls die Aktivierung des Rezeptors und damit die Aktivierung von Osteoklasten.

 

Im Gegensatz dazu zeigen Bisphosphonate eine hohe Bindungsaffinität an Knochenmineralien an Stellen hohen Knochenumbaus und hemmen die Osteoklasten, zum Teil über die Farnesyltransferase und den ras-Signalweg.


 

Osteoprotektoren

 

Denusomab wurde in 2 multizentrischen doppelblinden randomisierten placebokontrollierten Studien überprüft. Die Knochendichte stieg und die Rate der Wirbelkörper- und Oberschenkelschaftbrüche wurden signifikant reduziert. Die Zulassung durch die EMEA ist im Dezember 2009 in folgenden Indikationen erfolgt: Zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko. Zur Behandlung eines Knochendichteverlustes durch eine hormonablative Therapie bei Männern mit Prostatakarzinom und erhöhtem Frakturrisiko. Denosumab erwies sich im direkten Vergleich hinsichtlich der Zeit bis zum ersten skelettalen Ereignis bei Pat. mit Knochenmetastasen bei Mammakarzinom dem Zoledronat überlegen. Die Überlebenszeit sowie die Nebenwirkungsraten waren in beiden Behandlungsarmen gleich.

 

Die NW in einzelnen Studien (erhöhtes karzinogenes Risiko, vermehrte schwere Infektionen, höhere Raten von Ekzemen und von Krankenhauseinweisungen wegen Hautinfektionen) sind zu beachten.


 

Bisphosphonate

 

Bisphosphonate sind kausale Therapeutika bei neoplastischen Knochenmanifestationen, wobei ein früher Einsatz zur Reduktion von pathologischen Frakturen, Osteolysen, hyperkalzämischen Episoden und Schmerzen indiziert ist. Der Einsatz in der adjuvanten Therapie wird in Studien (z. B. beim Mamma-Ca.) weiter überprüft. Vergleichende Untersuchungen der Bisphosphonate untereinander sind bisher nur zwischen Zoledronat (Z) und Pamidronat (P) erfolgt. Z zeigte sich dabei in der Reduktion von Skelettkomplikationen beim ossär metastasierten Mamma-Ca. dem P überlegen. Beim Multiplen Myelom konnte durch die 3–4-wöchentliche Applikation von Zoledronat im Vergleich zu Clodronat neben einer Reduktion von Skelettkomplikationen auch ein signifikanter Überlebensvorteil von fast 6 Monaten erreicht werden. Orale Bisphosphonate (Clodronat und Ibandronat) haben eine geringe Bioverfügbarkeit und müssen deutlich höher dosiert werden. Als wichtige potenzielle NW ist die Kieferosteonekrose zu beachten, deren Pathophysiologie nicht völlig geklärt und wahrscheinlich multifaktorieller Genese ist. Wesentliche Risikofaktoren sind neben der Dauer der Bisphosphonat-Therapie vorab bestehende Erkrankungen der Zähne, des Zahnfleisches oder der Kieferknochen, Kiefermetastasen, RTx im Kopf-Hals-Bereich, zahnärztliche Eingriffe an Ober- oder Unterkiefer sowie eine CTx oder Kortison-Therapie. Eine Zahnsanierung wird vor Einleitung einer Bisphosphonat-Therapie empfohlen, weiterhin eine kritische Überprüfung der Behandlungsdauer. Der Kreatininwert sollte vor der i.v. Gabe kontrolliert werden, auch ist die Überwachung von Kalzium, Magnesium, Phosphat notwendig. Einzelheiten der Substanzen siehe Medikamente.

 

Orales Risedronat und Alendronat sowie Zoledronat können erfolgreich bei der postmenopausalen Osteoporose eingesetzt werden, was vor allem unter dem Einsatz von Aromatasehemmern bedeutsam ist; Alendronat auch zur Therapie und Prävention der glukokortikoidinduzierten Osteoporose.

 

Die NW aller Bisphosphonate sind ähnlich: Anstieg der Körpertemperatur, asymptomatische Hypokalzämie, Hypomagnesiämie, Hypophosphatämie, andere Elektrolytstörungen, Schmerzen an der Einstichstelle, gastrointestinale Beschwerden u. Symptome, Erhöhung von AST, AP u. Bilirubin, Lymphozytopenie, Thrombozytopenie; kardiovaskuläre u. zentralnervöse Symptome, Exanthem, Knochenschmerzen, grippeartige Beschwerden u. a.

 

Kontraindikationen für eine Therapie sind: schwere Niereninsuffizienz (endog. Krea.-Clear. < 30 ml/min), schwere Entzündung des GIT, Schwangerschaft u. Stillzeit, Kinder.


 

Leitlinien

 

Einheitliche Leitlinien liegen nur für die Therapie der Osteoporose vor. Für die Therapie der Knochenmetastasen kann ein interdisziplinäres Konsensustreffen über urologische Tumoren auch für andere Entitäten herangezogen werden: www.krebsgesellschaft.de → Konsensustreffen und: Aapro M et al: Guidance on the use of bisphosphonates in solid tumours: recommendations of an international expert panel. Ann Oncol 2008; 19: 420–32


 

Literatur

 

  • Cummings SR et al: Denosumab for prevention of fractures on postmeopausal woman with osteoporosis. N Engl J Med 2009; 361: 756–65
  • Smith MR et al: Denosumab in men receiving androgen-deprivation therapy for prostate cancer. N Engl J Med 2009; 361: 745–55