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Nebenwirkungen - LENT-SOMA (LENT = Late Effects Normal Tissue)

Nebenwirkungen

LENT-SOMA (LENT = Late Effects Normal Tissue)

 

Eine Konsensus-Konferenz des National Cancer Institute (NCI) in Kooperation mit zahlreichen onkologischen Studiengruppen definierte 1992 eine Systematik zur Erfassung von Späteffekten am Normalgewebe nach Tumortherapie, die LENT-SOMA Klassifikation, die von der EORTC und RTOG akzeptiert und inzwischen in vielen klinischen Studien validiert worden ist. Die Akronyme haben folgende Bedeutung: LENT bedeutet Late Effects of Normal Tissues (Späteffekte an Normalgeweben) und SOMA weist auf die subjektiven, objektiven, therapiebedingten und analytischen Kriterien hin, die der exakten Definition von langfristigen NW dienen.

 

Die LENT-SOMA-Klassifikation berücksichtigt alle durch onkologische Therapiemaßnahmen ausgelösten Spätfolgen, d. h. auch solche, die von Medikamenten und chirurgischen Maßnahmen ausgelöst werden bzw. worden sind. Dies ist von Bedeutung, da bisher keine Systematik zur Beurteilung von Späteffekten nach Operation oder nach Chemotherapie zur Verfügung stand. Wie andere Klassifikationen definiert LENT-SOMA insges. 4 Schweregrade; Grade 0 und Grad 5 kennzeichnen „keine“ bzw. „letale Spätfolgen“ oder „vollständiges Organversagen“ bzw. „Organverlust“. Statt der in der EORTC/RTOG-Systematik üblichen Begriffe „mild“ (gering /leicht) für Grad 1, „moderate“ (mäßig/deutlich) für Grad 2, „severe“ (ausgeprägt/ schwer) für Grad 3 und „life threatening“ (lebensbedrohlich) für Grad 4 wurden zusätzlich organspezifische Modifikatoren eingeführt. Außerdem wurden die 4 SOMA-Kategorien genauer definiert:

 

Subjektiv: Beschreibung spezieller Symptome durch subjektive Angaben des Patienten, z. B. hinsichtlich Intensität und Frequenz von NW.

 

Objektiv: Beschreibung objektiver Befunde nach körperlicher Untersuchung, Bildgebung oder relevanten Laborwerten. Typische Beispiele sind ein Ödem (objektiv erkennbar), Gewichtsverlust (messbar), Organschäden (radiologisch/pathophysiologisch erkennbar) oder morphologische Organstörungen (z. B. Biopsie).

 

Management: Beschreibung der Therapierbarkeit von NW mittels spezifischer Maßnahmen, z. B. Analgetika (peripher wirksame Nicht-Opioide versus zentral wirksame Opioide). Bei medikamentösen Maßnahmen ist ein geringerer Grad an NW anzunehmen als bei chirurgischer Intervention.

 

Analytisch: Analyseverfahren zur Quantifizierung und Validierung eingetretener Spätfolgen (Bildgebung incl. CT und MRT, EEG, EKG, Lungenfunktion, Laborwerte etc.). Diese Befunde können in ihrem Ausmaß vom subjektiven oder objektiven Schweregrad und den Therapiemaßnahmen (SOM Kategorien) abweichen. Geeignete Analyseverfahren zur Erfassung von Spätfolgen müssen für viele Organe noch etabliert und validiert werden.

 

Das LENT-SOMA-System erfasst keine Sekundärmalignome, dafür sind Spezialregister sinnvoll. Die Klassifikation ist aufwendig und es bestehen noch Unschärfen, die durch Erläuterungen zu verbessern sind, doch ist die Kritik an Details gegenüber der Chance für eine interdisziplinäre Verständigung über organspezifische Spätfolgen nach onkologischer Therapie zu vernachlässigen. Bei der LENT-SOMA Klassifikation sind verschiedene Regeln zu beachten:

 

  1. wenn möglich, sollten numerische Angaben gemacht werden, damit keine Rohdaten verloren gehen, z. B. Angabe des exakten Gewichtes, des Hämoglobin-Niveaus usw.
  2. alle Werte sind in Relation zum Ausgangswert zu beurteilen, z. B. Stuhl- und Miktionsfrequenz; auch das Körpergewicht ist relativ zur Körpergröße zu bewerten
  3. gleiche Effekte können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden; so kann z. B. die Harnentleerung durch gestörte Innervation des Blasensphinkters (z. B. Operationsfolge) oder geringere Blasenkapazität bei Fibrose (z. B. radiogene Folge) bedingt sein
  4. zur besseren Validierung sind einige Daten genauer anzugeben, z. B. zeitliche Angaben: Rubin et al. (1995) definiert „occasional“ als monatlich (> wöchentlich), „intermittent“ als „wöchentlich“, „persistent“ als täglich und „refractory“ als konstant bzw. ständig
  5. unscharfe und subjektive Angaben zur Schmerzintensität können durch Angabe des Einsatzes und der jeweiligen Stärke des verabreichten Analgetikums besser differenziert werden: periphere Analgetika (Nicht-Opioide) signalisieren niedrigere Schweregrade  (Grad 1–2) als die Anwendung leichter (Grad 3) oder sehr starker Opioide (Grad 4)
  6. Maßnahmen zur Minderung von NW bestimmen auch den Schweregrad: dem Einsatz oraler Medikamente wird ein geringerer NW-Grad (Grad 2) zugeordnet als intravenösen (Grad 3), intensivmedizinischen oder auch invasiven bzw. chirurgischen Maßnahmen (Grad 4)

 

In einzelnen Kategorien werden spezielle Erklärungen in Fußnoten vorgeschlagen. Sie sind zwar nicht Teil der offiziellen LENT-SOMA-Klassifikation, wurden aber von Experten anhand von Literaturrecherchen empfohlen, um stärker differenzierende bzw. quantifizierende Aspekte bei den einzelnen Organsystemen zu berücksichtigen. Die LENT-SOMA-Klassifikation ist auszugsweise auf den folgenden Seiten aufgeführt (Internet: www.aerzteblatt.de/pdf/97/37/a2395.pdf).