Die Effektivität neoadjuvanter Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom
Patientinnen mit inflammatorischem oder lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom sprechen in vergleichbarer Weise auf eine neoadjuvante Chemotherapie an wie Patientinnen mit operablem Mammakarzinom.
Die neoadjuvante Chemotherapie gilt zwar bei inflammatorischem oder lokal fortgeschrittenem Brustkrebs als Therapie der Wahl, die meisten adjuvanten und neoadjuvanten Therapiestudien schlossen diese Frauen aber wegen ihrer schlechten Prognose aus. Da Anthracycline und Taxane bei diesen Brustkrebsformen hoch wirksam sind, erfasste die in Deutschland durchgeführte multizentrische GeParTrio-Studie auch inflammatorische und lokal fortgeschrittene Karzinome, stratifizierte die Patientinnen aber bei der Randomisierung und wertete sie gesondert aus.
In der GeParTrio-Studie erhielten 2064 Mammakarzinom-Patientinnen präoperativ
- zwei Zyklen Doxetaxel/Doxorubicin/Cyclophosphamid (TAC).
- Danach wurden die Responder zu 4 oder 6 TAC-Zyklen,
- die Non-Responder zu 4 TAC-Zyklen oder 4 Zyklen Vinorelbin/Capecitabin randomisiert.
Neben 1777 Frauen mit operablen Mammakarzinomen wurden 93 Patientinnen mit inflammatorischen und 194 mit lokal fortgeschrittenen Mammakarzinomen in die Studie aufgenommen.
Patientinnen mit inflammatorischem Brustkrebs und lokal fortgeschrittenen Tumoren hatten signifikant größere Tumore als Patientinnen mit operablem Brustkrebs (median 8,0 cm, 7,0 cm bzw. 4,0 cm; p < 0,001) und die Lymphknoten waren häufiger beteiligt (86,6 %, 71,2 % bzw. 51,6 %; p < 0,001). Die kompletten Ansprechraten auf die neoadjuvante Therapie waren deshalb mit 8,6 % bzw. 11,3 % signifikant niedriger als bei den Frauen mit operablen Brusttumoren (17,7 %; p = 0,002). Auch die Gesamtansprechraten waren geringer (71,0 %, 69,6 % bzw. 83,4 %; p < 0,001).
Bei 12,9 % der Patientinnen mit inflammatorischem und bei 33 % der Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom ermöglichte die neoadjuvante Behandlung eine Brust erhaltende Operation. Allerdings war bei 69,9 % der primär operablen Patientinnen ein Brust erhaltender Eingriff möglich.
In der Gruppe der Patientinnen mit inflammatorischem Mammakarzinom hatten Frauen, die nach zwei TAC-Zyklen (Zeitpunkt der Randomisierung) angesprochen, und die, die bis dahin nicht angesprochen hatten, am Studienende eine vergleichbare komplette Ansprechrate. Patientinnen, die 8 Zyklen TAC erhalten hatten, wiesen einen Trend zu einer höheren kompletten Ansprechrate auf, als Patientinnen, die lediglich 6 Zyklen erhalten hatten. Bei lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Ansprechen nach 2 Zyklen und der kompletten Ansprechrate beobachtet.
Das Ansprechverhalten von Patientinnen mit inflammatorischem und lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom einerseits und Patientinnen mit operablem Mammakarzinom andererseits unterscheidet sich prinzipiell nicht, schlussfolgern die Autoren. Patientinnen mit inflammatorischem oder lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom können also in neoadjuvante Mammakarzinom-Therapiestudien aufgenommen werden.
Quelle: Dan Costa S, et al. Neoadjuvant chemotherapy shows similar response in patients with inflammatory or locally advanced breast cancer when compared with operable breast cancer: a secondary analysis of the GeparTrio trial data. J Clin Oncol 2009; 27. Epub ahead of print November 6



