ASCO-Jahresrückblick: Die wichtigsten Studienergebnisse 2009
Zielgerichtete Antikörpertherapien und personalisierte Medizin ermöglichten im abgelaufenen Jahr die größten Fortschritte in der Krebstherapie. Erfolgreiche Neuerungen waren u.a. die Gabe von Trastuzumab beim Magenkarzinom, die Immuntherapie des Neuroblastoms, Cetuximab beim Kopf/Hals-Karzinom, Gefitinib bei NSCLC mit EGFR-Mutation und Bevacizumab bei Glioblastomen und metastasierenden Nierenkarzinomen.
Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) beurteilt jedes Jahr die Innovationen in der Krebstherapie und stellt die Neuerungen mit den größten Auswirkungen auf die Patientenversorgung heraus. Im Jahr 2009 zählt der ASCO-Bericht 51 sehr wichtige Studien. Die Ergebnisse von 15 dieser 51 Studien werden, so die Autoren, voraussichtlich zu bedeutenden Fortschritten führen und wahrscheinlich eine Reduktion der Krebs-Mortalität ermöglichen.
Brustkrebs
Frühes Mammakarzinom: Eine adjuvante Kombinationstherapie ist bei älteren Frauen der Capecitabin-Monotherapie überlegen. Mortalitäts- und Rezidivrisiko waren in einer großen randomisierten Studie mit Capecitabin allein doppelt so hoch wie mit den Standard-Kombinationstherapien Cyclophosphamid plus Methotrexat/Fluorouracil oder Cyclophosphamid plus Doxorubicin. Nach drei Jahren hatte die Capecitabin-Gruppe eine rezidivfreie Überlebensrate von 68 %, bei Kombinations-Chemotherapie waren es 85 %.
Gastrointestinale Karzinome
Fortgeschrittener Magenkrebs: Eine Phase III-Studie zeigte, dass Trastuzumab plus Standardchemotherapie (Cisplatin plus Capecitabin oder Fluorouracil) das Mortalitätsrisiko um 26 % im Vergleich zu Standardchemotherapie allein senkt. Die mediane Gesamtüberlebensdauer verlängerte Trastuzumab um 2,7 Monate (13,8 Monate vs. 11,1 Monate).
Fortgeschrittenes Gallengangskarzinom: Eine britische Studie etablierte Gemcitabin/Cisplatin als Standardtherapie. Die Kombination verlängerte das progressionsfreie Überleben um 30 % im Vergleich zu Gemcitabin allein (8,5 Monate versus 6,5 Monate).
Frühes Kolonkarzinom: Die adjuvante Behandlung mit Bevacizumab bewährte sich nicht. Die Zugabe von Bevacizumab zu FOLFOX verlängerte das krankheitsfreie Intervall von Patienten mit Kolonkarzinomen im Stadium II und III nicht signifikant.
Urogenitale Karzinome
Prostatakarzinom: Der Routine-PSA-Test reduziert die Prostatakarzinom-Mortalität nur minimal. Der Test erkennt viele langsam wachsende, nicht letale Karzinome und führt zu überflüssigen Behandlungen.
Frühes Prostatakarzinom: In einer Langzeitstudie reduzierte die Radiotherapie nach Prostatektomie das Metastasierungsrisiko um 29 % und verbesserte das Überleben um 28 %.
Nierenzellkarzinom: Everolimus, ein mTOR-Hemmer, wurde von der US-amerikanischen FDA für die Behandlung von Nierenzellkarzinomen, die trotz Sunitinib und/oder Sorafenib progredient waren, zugelassen.
Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: Bevacizumab plus Interferon alfa-2a verlängerten in einer Studie das progressionsfreie Überleben auf 10,4 Monate im Vergleich zu 5,5 Monaten bei Behandlung mit Interferon allein. Daraufhin ließ die US-amerikanische FDA die Kombination Bevacizumab/Interferon alfa 2a für die Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms zu.
Gynäkologische Karzinome
Ovarialkarzinom: Die Rezidivüberwachung durch häufige Bestimmung von CA-125 ist überflüssig. Der mögliche frühere Therapiebeginn aufgrund erhöhter CA-125-Blutspiegel verlängert die Gesamtüberlebensdauer im Vergleich zu einer später, erst nach Auftreten von Symptomen begonnenen Therapie nicht.
Zervixkarzinom: Die HPV-Impfung schützt auch ältere (24- bis 45-jährige) Frauen vor Zervixkarzinomen.
Kopf- und Halskarzinome
Fortgeschrittenes Kopf- und Halskarzinom: Die Cetuximab-Ersttherapie in Kombination mit Chemotherapie (Fluorouracil plus Cisplatin oder Carboplatin) steigerte die Gesamtüberlebensdauer um 20 % (10,1 versus 7,4 Monate) und verlängerte das progressionsfreie Überleben um 46 % im Vergleich zu Chemotherapie allein.
Lungenkrebs
Fortgeschrittenes NSCLC: Die Pemetrexed-Dauertherapie (bis zur erneuten Progression) verlängerte in einer US-amerikanischen Phase III-Studie die mediane Gesamtüberlebensdauer von Stadium IIIB und IV-Patienten mit großzelligem Lungenkarzinom oder Adenokarzinom der Lunge auf median 15,5 Monate. Patienten, die Placebo erhielten, lebten median nur noch 10,3 Monate.
EGFR-Mutationsstatus: Gefitinib verlängerte bei asiatischen NSCLCPatienten (Nichtraucher oder leichte Ex-Raucher) mit EGFR-Mutation das mediane progressionsfreie Überleben auf 9,5 Monate verglichen mit 6,3 Monaten bei konventioneller Chemotherapie mit Carboplatin plus Paclitaxel. Dagegen schnitten Patienten ohne EGFR-Mutation mit der Chemotherapie besser ab.
Krebserkrankungen des Nervensystems
Glioblastom: Die US-amerikanische FDA hat im Mai Bevacizumab für vorbehandelte, fortgeschrittene Glioblastome auf der Basis der Ergebnisse von 2 Phase II-Studien zugelassen.
Neuroblastom: Eine Phase III zeigte, dass der chimärische anti-GD2 Antikörper ch14.18 das Rezidivrisiko erkrankter Kinder reduziert und das Gesamtüberleben verbessert. Der Antikörper bindet an das Glykolipid GD 2 auf Neuroblastom-Zellen und induziert eine Immunreaktion gegen die Krebszellen.
Quelle: Petrelli NJ, et al. Clinical cancer advances 2009: major research advances in cancer treatment, prevention, and screening – a report from the American Society of Clinical Oncology. J Clin Oncol 2009; 27. Epub ahead of print November 6



