04/2010 - Brustkrebs-Risiko: Was bedeuten die neu entdeckten genetischen Faktoren?
Die neuen, in den letzten Jahren entdeckten genetischen Varianten verbessern die Identifikation von Frauen mit hohem oder niedrigem Brustkrebs-Risiko nicht in klinisch relevanter Weise und ermöglichen keine personalisierte Prophylaxe.
Durch personalisierte Medizin, d.h. durch eine individuell auf die jeweilige Patientin zugeschnittene Prophylaxe und Therapie, soll bald auch die Mammakarzinom-Inzidenz verringert und die Prognose dieser Erkrankung verbessert werden. Die Bestimmung von BRCA1- und BRCA2-Mutationen ermöglicht schon heute, Frauen mit besonders hohem Risiko zu identifizieren und den Betroffenen spezielle Prophylaxe- und Behandlungsstrategien anzubieten. Inzwischen sind weitere Einzel-Nukleotid-Polymorphismen entdeckt worden, die ebenfalls mit Brustkrebs assoziiert sind, bei denen der Zusammenhang aber nicht so eindeutig ist wie bei BRCA-Mutationen. Eine amerikanische Analyse berechnete jetzt, inwieweit diese genetischen Varianten die gegenwärtigen Verfahren zur individuellen Beurteilung des Brustkrebsrisikos verbessern.
In die Analyse gingen die Informationen über traditionelle Risikofaktoren und 10 weit verbreitete genetische Varianten (Einzel-Nukleotid-Polymorphismen) von 5590 Brustkrebspatientinnen und 5998 Kontrollen aus 4 amerikanischen Kohortenstudien und einer polnischen Fall-Kontrollstudie ein. Die Risikoberechnung erfolgte mit einem mathematischen Modell anhand der Fläche unter der Kurve (AUC in %). In diesem Modell beträgt die AUC bei randomisierter Verteilung per Definition 50 % und bei perfekter Klassifikation 100 %.
In den Berechnungen stieg die AUC bei Berücksichtigung von 4 traditionellen Risikofaktoren (Verwandte ersten Grades mit Brustkrebs, Alter bei der Menarche, Alter bei der Geburt des ersten Kindes, Anzahl der bisherigen Mammabiopsien) auf 58,2 %. Den größten Einfluss hatten Mammabiopsien (AUC: 56,8 %). Die ausschließliche Verwendung der 10 neuen genetischen Varianten führte zu einem etwas höheren AUC-Anstieg (auf 59,7 %). Bei Kombination der traditionellen und der genetischen Risikofaktoren stieg die AUC lediglich auf 61,8 % - gerade einmal 3,8 % mehr als mit den traditionellen Faktoren.
Diese Vorhersageverbesserung durch die neu entdeckten genetischen Varianten ist zu gering, um Frauen mit erniedrigten oder erhöhtem Risiko in klinisch nutzbarer Weise zu identifizieren, schlussfolgern die Autoren. Bei den meisten Frauen ist deshalb vorerst keine personalisierte Brustkebsprophylaxe möglich.
Quelle: Wacholder S, et al. Performance of common genetic variants in breast-cancer risk-models. NEJM 2010; 362: 986-993



