08/2010 - Optimierung der Therapie des frühen Mammakarzinoms
Die moderne Behandlung des frühen Mammakarzinoms ist individuell auf Patientin und Tumor zugeschnitten. Anhand der molekularen Signatur des Tumors und wichtigen prognostischen Faktoren wird für jede Frau die beste Therapie ausgewählt.
Verbesserte Screening-Programme haben dazu geführt, dass immer mehr Frauen mit frühem Brustkrebs diagnostiziert werden. Gleichzeitig steigen die diagnostischen Möglichkeiten, um Karzinome biologisch zu klassifizieren und den Krankheitsverlauf vorauszusagen. Den aktuellen Stand der personalisierten Behandlung von frühem Brustkrebs fasst eine Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Clinical Breast Cancer zusammen.
Risikobeurteilung
Die bisherige Orientierung der Brustkrebs-Behandlung an validierten klinisch-pathologischen Faktoren wie Tumorgröße, Lymphknotenbeteiligung, histologischem Grad und Alter führte zu einer erheblichen Zahl über- oder unterbehandelter Patientinnen. Biologische Marker haben die Möglichkeiten der Risikostratifikation inzwischen vergrößert. Heute gehört die Bestimmung von Östrogen- und Progesteron-Rezeptorstatus zur Routinediagnostik, weil die Mortalität von Patientinnen, die diese Rezeptoren nicht exprimieren, höher ist. Rezeptorpositive Frauen profitieren von Tamoxifen und Aromatase-Inhibitoren, während für rezeptornegative Frauen eine reine Chemotherapie vorteilhafter ist. Vergleichbares gilt für das HER2-Gen und Trastuzumab.
Bei der Therapieentscheidung müssen die klinisch-pathologischen Faktoren, die biologischen Marker und die Präferenzen der Patientin berücksichtigt werden. Zur Unterstützung der Risikobeurteilung gibt es Online-Programme (Adjuvant!) und spezialisierte Genanalysen wie Oncotype DX®, Mammaprint® oder Rotterdam signature. Der prognostische Wert der Genanalysen wurde in klinischen Studien nachgewiesen. Mit Oncotype DX® lässt sich sogar das 10-Jahresrisiko für Fernmetastasen errechnen.
Chemotherapie: Anthracycline und Taxane
Die adjuvante Anthracyclin-Therapie führt nach 5 Jahren zu einem Benefit von 3 % und nach 10 Jahren von 4 %. Die Kombination von Doxorubicin oder Epirubicin mit Cyclophosphamid war in mehreren Studien klassischen Nicht-Anthracyclin-Schemata überlegen. Nachteile der Anthracycline sind die Kardiotoxizität und das erhöhte Leukämierisiko.
Die Kombination von Taxanen, Anthracyclinen und Cyclophosphamid verbessert das krankheitsfreie Überleben von Frauen mit frühem Brustkrebs weiter. Der Docetaxel-Benefit ist unabhängig davon, ob Docetaxel und Anthracyclin/Cyclophosphamid zusammen oder sequentiell gegeben werden. Eine weitere Überlebensverbesserung ließ sich durch Verdichtung der Taxan-Dosis erzielen.
Chemotherapie: Weitere Substanzen
Zusätzliches Gemcitabin verbessert die Effektivität der Kombination Paclitaxel/Anthracyclin/Cyclophosphamid nicht signifikant. Capecitabin war bei älteren Patientinnen der Standardchemotherapie sogar unterlegen. Bisphosphonate haben jedoch eine Antitumor-Aktivität und senken das Knochmetastasenrisiko.
HER2
HER2-positive Karzinome sind eine spezielle Brustkrebsform und die Bestimmung des HER2-Status ist für die weitere Behandlung von entscheidender Bedeutung. Patientinnen mit HER2-positivem frühem Brustkrebs profitierten unabhängig von Alter, Hormonrezeptorstatus, Lymphknotenstatus und Art der adjuvanten Chemotherapie von Trastuzumab.
Zukünftige Entwicklungen
Laufende Studien haben das Ziel, die Anwendung von Oncotype DX® und MammaPrint® zu verbessern. Außerdem wird eine Optimierung der zytotoxischen Therapie durch den Vergleich verschiedener Schemata angestrebt. Mehrere Gruppen untersuchen das optimale Schema und die beste Dauer der adjuvanten Trastuzumab-Therapie und auch über die Rolle von Bisphosphonaten in der adjuvanten Therapie wird weiter geforscht. Mit dem neuen RANKL-Inhibitor Denosumab (das RANKLProtein spielt bei der Aktivierung von Osteoklasten eine wichtige Rolle) läuft ebenfalls eine Studie bei frühem Brustkrebs. Außerdem werden PARP-Inhibitoren in der adjuvanten Brustkrebstherapie untersucht. Die neue Substanzklasse der PARP-Inhibitoren scheint bei dreifach negativem Brustkrebs und bei Patientinnen mit BRCA1- und BRCA2-Mutationen besonders wirksam zu sein.
Quelle: Dotan E, et al. Optimizing chemotherapy regimens for patients with early-stage breast cancer. Clinical Breast Cancer 2010; 10 (Suppl. 1): E8-E15



